Theaterkiste: Premiere am kommenden Wochenende in Mürringen


»Krabat« packend auf die Theaterbühne bringen


Mürringen. - Nach Monaten intensiver Arbeit (zwei Monate Planung, zwei Monate Improvisation und zweieinhalb Monate effektive Probe) hat nun »Krabat - ein Mühlknappe in den Fängen der Schwarzen Kunst«, die mittlerweile siebte Produktion der Theaterkiste unter der Regie von Alfons Velz, Premiere am kommenden Wochenende (15./16. November) im Saal Jost in Mürringen.

Bereits Ende vorigen Jahres trafen sich die beteiligten Theaterleute und einigten sich ziemlich rasch auf »Krabat«, einen leider ziemlich unbekannten Roman von Otfried Preussler (»Räuber Hotzenplotz«, »Die kleine Hexe«), als literarische Vorlage zu ihrer neuen Theaterproduktion. Ausschlaggebend bei dieser Wahl war die im Roman herrschende, alle Gruppenmitglieder begeisternde Atmosphäre

Sehr schnell stellten sie allerdings fest, daß die Umwandlung des Stoffes für ihre Bühne eine Riesenmenge an Arbeit mit sich brachte.

Prosa-Vorlage

Die Umsetzung der genau vorgegebenen Geschichte des Krabat, der als vierzehnjähriger Betteljunge auf geheimnisvolle Weise zur Mühle im Koselbruch am Schwarzen Wasser gerufen wird, verlangte von der Theatergruppe nichts als Genauigkeit, mit der beispielsweise allein schon dieser dreimal wiederkehrende Jahreszyklus mit einer düsteren Atmosphäre der Gefahr und Bedrohung packend auf die Bühne gebracht werden sollte.

Darin bestand eigentlich die größte Herausforderung für die Gruppe.

Otfried Preussler

Ursprünglich stammt der Stoff zu dem Meisterwerk von einer Volkssage aus Ostdeutschland, aus dem Wendischen, dem Gebiet also, in dem die Sorben leben. Darin geht es um einen Müller, der die Schwarze Kunst beherrscht und die jungen Leute in seine Fänge nimmt, und um eine Mutter, die probiert, ihren Sohn wieder freizukriegen.

Anfang der siebziger Jahre hat Otfried Preussler dafür den deutschen Jugendbuchpreis erhalten.

Fesselnde Geschichte

Freundschaft, Liebe, Macht, Unterdrückung und Freiheit bilden die Motive in dieser fesselnden und spannenden Jugendgeschichte, in der es um die ewige »faustische« Versuchung geht, über die eigenen Grenzen hinauszugehen, seine Möglichkeiten durch Magie und Zauberei zu erweitern.

»Wie weit darf ich gehen? Wie weit soll ich gehen?«

Zielpublikum

Die Theaterkiste richtet sich mit ihrer neuen Produktion vornehmlich an größere Kinder (ab acht Jahre), Jugendliche und Erwachsene.

Arbeitsweise

Nachdem jedes Mitglied das Buch gelesen hatte, wurden einige Szenen herausgegriffen. Darüber wurde dann einfach mal improvisiert. In einem Schloßpark in Luxemburg sind auf diese Weise einige Situationen so in der Landschaft entstanden.

Nach dieser Experimentierphase mußte der Text ziemlich komprimiert und in Dialogform gebracht werden. Das führte schließlich dazu, daß die Figur des Mühlknappen Krabat gleichzeitig auch als Erzähler auftritt, der als Stimme aus dem Off seine eigene Geschichte in der Rückschau noch einmal kommentiert.

Bühnenbild

Das Bühnenbild besteht zum einen aus funktionellen Elementen (Pritschen), die für das Spiel sehr wichtig sind und die auch variabel eingesetzt werden können.

Zum anderen sind da dekorative und farbliche Elemente, die etwas zur Stimmung beitragen sollen.

Szenische Mittel

Der gezielte Einsatz von Licht und Ton wird die angesprochene Stimmung noch verstärken. Außerdem sind choreographische Elemente in das Stück integriert worden.

Dafür zeichnete, wie schon bei der letzten Produktion, Ruth Brück verantwortlich.

Schwierigkeiten

Eine große Schwierigkeit galt es diesmal zu meistern: Viele Neulinge der Theaterkiste mußten zunächst einmal an die dort übliche Arbeitsweise herangeführt werden. Mit Ausnahme der Näharbeiten sind nämlich alle für alles verantwortlich, d.h., daß die Konzepte für Bühnenbild, Text und Spiel, sowie Bühnenbau, Schminken, Licht, Ton kollektiv erarbeitet werden.

Eine weitere Schwierigkeit stellte sich mit dem Engagement und den Nebentätigkeiten, die die meisten der Mitglieder noch in anderen Gruppierungen wahrzunehmen haben. Bei alledem muß bekanntlich auch noch eine gehörige Portion Zeit und Kompromißbereitschaft für das Hobby »Theater« freigemacht werden.

Unsichtbare Helfer

Ohne die zahlreichen Helfer, die man ansonsten nirgendwo sieht (Bühnenbild, Näharbeiten, Bühnenbau, Textniederschrift...) wären die Arbeiten beim Zustandekommen der Theaterproduktion kaum denkbar.

Spielplan

Premiere ist am kommenden Samstag, dem 15. November, und am Sonntag, dem 16. November, jeweils um 20.30 Uhr im Saal Jost in Mürringen. Ferner tritt die Theaterkiste am Sonntag, dem 30. November, um 15 und 19 Uhr im Jünglingshaus in Eupen auf.

Helmuth Hilgers


© 13.11.1997 Grenz-Echo
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